Armin Baumgarten - Ein moderner Romantiker?

Armin Baumgarten gelingt es die Erhabenheit des Elementaren einzufangen. Dabei wirken seine Werke, insbesondere durch ihre Pastosität, lebendig und romantisch zu gleich. Inwiefern Schönheit für Armin eine Rolle spielt und wann er ein Werk für fertig hält erfährst du in unserem Interview.

Was sind die ersten drei Assoziationen, die dir zu deinen Bildwerken einfallen?

Autark / archaisch / pur

 

Du beschäftigst dich in deinen Werken fast ausschließlich mit drei Themen: Landschaft (insbesondere Berge), Kopf und Figur. Was fasziniert dich so sehr an diesen Themen?

Ab dem Alter von 14 war ich Maler und habe alles durchprobiert was mir zugänglich war, aber es ging um die Malerei. Also habe ich mir im Studium das elementarste Thema gesucht, das die Kunstgeschichte zu bieten hat: den Menschen. Und das ist bis heute so geblieben, denn damit stehe ich im Verhältnis zur gesamten kunstgeschichtlichen Kontinuität. Ich möchte aus einem uralten Thema ein Jetziges machen.

 

Deine Werke beschränken sich in der Regel auf drei Farben: Rot, Blau und Grün. Warum?

Gelb auch. Ich arbeite gerne mit puren Farben, möchte aber nicht unbedingt eine «Buntheit». Was ich suche ist eine Art inneres Leuchten des Bildes, und dabei empfinde ich klare Farben als sehr angenehm. Ich mag gerne einen Grundklang des Bildes, von dem heraus es Nuancen gibt. 

 

Deine Bildwerke sind so pastos, dass sie schon fast dreidimensional wirken. Wie hat sich dieser Stil entwickelt?

Am Ende meines Studiums habe ich eine sehr dünne Lasurmalerei angelegt. Aber beim Verdichten der Figuration und den langen Arbeitsprozessen war es wichtig, zu einem Verfahren zu kommen, das ein langes «modellieren» des Bildes zulässt, also zähe Ölfarbe mit langen Trocknungszeiten. Zunehmend wurde mir dann aber auch die differenzierte, haptische Textur der Farbe wichtig, die mich geradewegs zur Skulptur geführt hat. 

 

Wie lange brauchst du für eines deiner Werke?

Die Bilder haben ihre eigene Zeit und ich höre auf sie. Es ist immer so, dass mein Bild nach einigen Tagen ganz passabel ausschaut, im Grunde also fast wie fertig. Dann beginne ich an der Ausarbeitung und es gibt regelmäßig die Phasen des völligen Misslingens. Nach einiger Zeit, so fünf bis sechs Wochen, verdichtet sich die Sache wieder, es beginnt die «Kompensation der Katastrophe». Wenn es gut läuft, sind die Bilder dann wirklich etwas weiter gekommen und eben ein klein bisschen intensiver als am Anfang. Aber eigentlich kommt es mir genau darauf an, für schnelle Talentübungen habe ich nicht viel übrig, ich mag den Gegenwind ganz gerne.

 

Wieviel Farbe verbrauchst du circa pro Bild und wie lange trocknet ein Bild?

Leider verbrauche ich sehr viel Farbe. Es ist nicht so, dass ich eine bestimmte Pastosität ansteuere, sondern sie ergibt sich im Findungsprozess des Bildes. Ich trage beim Malen im Gegenteil oft sehr viel Farbe wieder ab. In Zwischenphasen lasse ich die Farben gerne auch mal durchtrocknen. Die meisten Töne brauchen so zwei bis drei Wochen um oberflächentrocken zu sein. Bis ein Bild durchgetrocknet ist, sind ein paar Wochen nötig. Ölfarbe ist etwas sehr Lebendiges. Sie ist sehr thermoplastisch und die Pigmente ändern sich auch im Laufe von Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten. Das, was Rembrandt gemalt hat, ist nicht genau das, was wir heute auf seinen Bildern sehen!

 

Ich habe gelesen, dass du deine Bilder manchmal auch Jahre später nochmals bearbeitest. Wann ist ein Bild für dich fertig?

Bilder, wie ich sie male, sind eigentlich nie fertig. Ich arbeite ja nicht aus einem Konzept heraus, sondern das Bild ergibt sich aus sich heraus in einem langwierigen Findungsprozess. Ich höre mit dem Malen auf, wenn das Bild zu «atmen» beginnt, sich verselbständigt und irgendwie ein eigenes Leben zu führen beginnt, also wenn ich merke, dass ich nichts mehr verbessern kann. Manchmal erkenne ich aber nach langer Zeit neue Möglichkeiten und es reizt mich dann einfach, die Sache zu verfolgen.

 

Ich persönlich finde deine Bilder lassen sich durchaus als «schön» bezeichnen. Auch wenn der Begriff der Schönheit sehr subjektiv ist: Welche Rolle spielt Schönheit für dich in der Malerei?

Schönheit ist in der Kunst der Moderne ein sehr belastetes Kriterium, gilt als Schönfärberei – verlogen. Mich hat sie immer sehr interessiert als etwas Elementares, etwas, das sich einfach nicht wegleugnen lässt aus unserem Dasein. Was aber ist Schönheit überhaupt? Das «klassische» Schönheitsideal, auch das der Renaissance hat mich weniger interessiert. Ich bin gerne in Frankreich unterwegs, und wenn ich mir die Höhlenmalereien der Dordogne anschaue, sehe ich das es von Anfang an um das Erhabene, irgendwie Unerreichbare ging. Archaische, idolhafte Formfindungen. Auch das Mittelalter und Byzanz interessieren mich sehr. Ich suche die Schönheit im gelungenen ineinander Verschmelzen von Gegensätzen wie Farbe, Duktus, Form und Bildfläche. Mein Bild sollte eine zeitlose innere Ordnung und Harmonie ausstrahlen. Allerdings ist die Unruhe, sind die Brüche, die zu dem beigetragen haben, was am Ende sichtbar ist, Teil dieser Schönheit. 

 

Was sollte ein gutes Kunstwerk im Idealfall mit dem Betrachter machen?

Es sollte Intensität ausstrahlen, ihn direkt packen und eine gewisse «Noblesse» vermitteln. Ein gutes Kunstwerk sollte etwas mehr sein als ein guter Gag, ein nettes Event oder eine nützliche pädagogische Hilfestellung für die gesellschaftlichen Alltagsprobleme. Die Kunst ist frei! Und diese Freiheit muss sie auch verantworten und verkörpern, d.h. sie ist überzeitlich und uralt zugleich. Sie ist nicht die Cola-Flasche, sondern die Quelle. 

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