Jürgen Heinz

"Die Seele des Objekts kommt durch die Bewegung zum Vorschein"
Im Werk von Jürgen Heinz bestimmt Bewegung die künstlerische Ausdrucksform. Die Plastiken, Architektur- und Rauminstallationen des Darmstädter Metallbildhauers verändern den Raum durch ihre pure Anwesenheit, agieren in Privatem, Musealen und Öffentlichen Raum. Mit seinen MOVING SCULPTURES überschreitet Jürgen Heinz die unüberwindbar scheinende Kluft zwischen archaischem, schwerem Stahl und sanfter Bewegung. Sie kommunizieren mit dem Betrachter, berühren, ziehen in Bann und fordern auf zum Agieren.
SCORING

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18 P Ausbildung

22 P Arbeit

19 P Aussagekraft

Warum hast du als Künstler angefangen zu arbeiten?

Ich komme aus einer Handwerker Familie und durch mein Aufwachsen und den Einfluss meines Vaters, der Metallbauer und Unternehmer war, war mein Weg in gewisser Weise auch vorgegeben. Der Beruf des Bildhauers oder des Schmiedes ist ein ganz schwerer Beruf. Jemand der im Büro arbeitet kann sich überhaupt nicht vorstellen, was ein Schmied in Bewegung setzen muss. Diese Arbeit ist extrem körperlich.

Mein Vater war sehr wichtig für mich. Er hat mich gefordert, mich kritisiert und mich in die Ferne geschickt, damit ich mit neuen Erfahrungen zurückkomme. Ich bin zurückgekommen und habe danach einen anderen Weg betreten, nicht den des Handwerkers, der eigentlich sein Weg war, sondern meinen eigenen.

Wie unterscheiden sich deine Plastiken von statischen Plastiken?

Für viele ist die statische Plastik eine bodenständige, geerdete Skulptur. Meine Skulpturen jedoch sind bewegte Stahlplastiken: erst nimmt man einen Block oder ein Objekt wahr, das auf den ersten Blick unbeweglich im Raum steht. Dann kommt aber plötzlich Bewegung hinzu - die Plastik wird lebendig. Die Seele des Objekts kommt durch die Bewegung zum Vorschein.

Wie gehst du bei deiner Arbeit vor?

Ich arbeite vorwiegend von Zeichnungen und Skizzen aus, die meistens nachts zu Hause entstehen. Das sind ganz einfache Skizzen, Scribbles, die manchmal auch nur Linien sind. Es geht darum, dass ich eine Idee einfange. Mit dieser Idee und Skizze gehe ich dann in mein Atelier. Ich fange dann - oftmals aus dem Bauch heraus - an und setzte eine Skizze sofort in ein fertiges Objekt um. Ich muss meine Ideen immer ganz schnell umsetzen. Im Gegensatz zu früher habe ich eine kurze Halbwertszeit, denn für mich verliert eine Idee, die zu lange in der Schulbade liegt, ganz schnell an Kraft.

Was möchtest du in fünf Jahren erreichen?

Das ist eine schwierige Frage aber mein größtes Ziel wäre, dass ich mit viel Spaß und bei guter Gesundheit weiterarbeiten kann. Aber auch, dass ich mit meiner Arbeit bekannter geworden bin. Ähnlich wie bei der Entwicklung meiner Arbeit, die immer in Bewegung steckt, bin ich es auch. Wie bei einem Wechselspiel zwischen bewegter und statischer Plastik, es ist immer was Neues, es ist immer in Bewegung in allem und es kommt immer was Neues. Eine Idee baut sich auf der alten auf, eine Plastik nährt die nächste.

Was ist dir wichtig?

Dankbarkeit ist mir enorm wichtig, besonders in Bezug auf Menschen, denen ich auf meinem Lebensweg und an vielen Kreuzungen begegnet bin. Menschen, dir mir Dinge beigebracht haben, mit denen ich philosophiert habe und die mich wegweisend begleitet haben.

Generell sind mir Werte wichtig, die in unserer heutigen Gesellschaft manchmal zu kurz kommen: Respekt, Achtung und Ehrlichkeit.

Wie beschreibst du deine Arbeit?

Mein Gebiet ist die bewegte Stahlplastik. Das heißt der Ausgangspunkt ist eine statische Plastik, ein im ersten Moment stehendes Objekt. Dann kommt durch den Menschen oder vom Wind angestoßen eine äußere Bewegung dazu und dadurch beginnt die Plastik sich im Raum zu bewegen.

Möchtest du etwas mit deiner Kunst aussagen?

Möchtest du etwas mit deiner Kunst aussagen?

Der Stahl hat auf den ersten Blick eine ganz kalte Oberfläche, die aber durch die Bewegung einen ganz anderen Aspekt bekommt. Dieser Stahl ist dann nicht mehr rau und kalt, sondern entfaltet seine Seele. Auf diese Weise kann man quasi mit der Plastik kommunizieren.

Welche Techniken bevorzugst du?

Bei meiner Arbeit bieten sich zwei Optionen: entweder wird geschmiedet oder es wird montiert und verschweißt aufgebaut. Der Unterschied dabei ist: wenn ich ein Objekt schmiede ist es eine Skulptur, wenn es aufgebaut wird ist es eine Plastik.

Der Schmiedeprozess, der ja seit Jahrtausenden derselbe ist, ist ein ganz archaischer Prozess. Der Stahl kommt ins Feuer der Schmiedekohle und durch die Erwärmung wird er weich und lässt sich bearbeiten. Ich kann ihn biegen und in Form bringen. Zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig, dass ich ganz schnell arbeite. Ich muss schon genau wissen was mein Ziel ist und muss den präzisen Weg vor mir sehen.

Die Formgebung ist das eine, bei der bewegten Plastik ist es dann ein Experimentieren, ein Ausloten. Schlussendlich wird die Oberfläche behandelt, sie wird geölt, gebürstet oder einfach belassen, was ich am schönsten finde.

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Welche Bedeutung hat `Feuer´ und `Bewegung´ für dich?

Beim Schmieden ist es so, dass ich mich fühle als würde ich nach Hause kommen. Ich denke es kommt daher, dass das Schmiedefeuer etwas ganz Ursprüngliches ist. Das Feuer hat für den Menschen eine große Bedeutung. Es wärmt uns, wir können unser Essen garen. Es hat aber auch Gegensätze, denn Feuer kann auch etwas Schlechtes bedeuten. Feuer bedeutet aber auch durch seine Flammen Bewegung.

Bewegung bedeutet für mich ‘nicht stillstand’. Ich glaube für den Menschen ist Bewegung etwas Positives, etwas Tolles, auch wenn es manchmal nicht zugelassen wird. Es ruft in uns Glücksgefühle hervor. Der Mensch, der mit sich selbst gefangen ist, braucht die Veränderung. Auf der anderen Seite jedoch kennt auch jeder Mensch Stillstand und es gibt Situationen, in denen ein Mensch stillsteht und dieser Stillstand dann auch ganz wichtig ist. Was wäre der Stillstand ohne die Bewegung oder was wäre die Bewegung ohne den Stillstand? Es ist ein Wechselspiel zwischen beidem.

Durch die Behandlung im Feuer bekommt jedes Objekt nicht nur eine schöne Oberfläche, sondern auch eine Seele. Die Seele ist überhaupt das Wichtigste des Objekts. Sie ist überhaupt das Wichtigste von allem.

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